In Entstehung

Beamen leicht gemacht


Beamen leicht gemacht

Maria Smettan 2016

Zunächst muss man Wissen, was man auf gar keinen Fall machen sollte. Sonst stirbt man oder es passiert einfach gar nichts.
Starten wir mit einem einfachen Beispiel und versuchen zunächst nur eine Tasse zu beamen. Falls sie Spaß an Wortspielen haben, nehmen sie stattdessen eine Untertasse. Ein absoluter Trugschluss ist es, nur die Information, wie die Tasse aufgebaut ist, zu beamen.
In diesem Fall würde man an der Startstation des Beamers den Aufbau der Tasse bis ins letzte Detail ermitteln. Man würde demnach ermitteln, wo welche Moleküle sind, wie die Moleküle miteinander verbunden sind, aus welchen Atomen diese Moleküle bestehen, wie die Atome miteinander verbunden sind, aus welchen Teilchen die Atome bestehen und so weiter. Vereinfacht gesagt möchte man ein unhandliches Teil, wie z.B. einen Schrank verschicken und erstellt zunächst eine Anleitung aus welchen Einzelteilen der Schrank besteht und wie man diese zusammensetzt. Allerdings macht man das im Fall der zu beamenden Tasse bis ins letzte Detail. Außerdem erstellt man keine Bauanleitung aus Papier, sondern schickt die Anleitung als reine Information z.B. in Form von Energie an den Zielort. Dort steht ein Empfänger für diese Information und dieser startet sofort mithilfe der Bauanleitung die Tasse zusammenzufügen. Dieselbe Tasse? Nein! Die gleiche Tasse. Denn genau hier liegt der Hund begraben.
Im vereinfachten Beispiel erhält am Zielort jemand, der die Einzelteile des Schranks besitzt, die Bauanleitung und kann nun den Schrank fertig stellen. Folglich steht am Zielort nun nicht derselbe Schrank vom Startort, sondern nur ein baugleicher Schrank. Nämlich einer, der genauso wie der Schrank vom Startort aufgebaut ist. Sofern der Schrank am Startort noch steht, hat man jetzt zwei Schränke.
Es kann nämlich durchaus sein, dass man den Schrank am Startort zerlegen musste, um überhaupt zu wissen, wie er aufgebaut ist. Im Falle der Tasse, würde dieser Fall trügerisch nach einem erfolgreichen Beamen aussehen. Die Tasse am Startort wäre nicht mehr da, da man sie für die Gewinnung der Bauanleitung in Atome, Elektronen, Energien und noch viel mehr zerlegen musste. Dafür steht am Zielort eine baugleiche Tasse. Man könnte in diesem Fall durchaus meinen es wäre dieselbe Tasse, wie vom Start. Ist sie aber nicht, die ist nämlich nicht mehr da. Wir wissen das.
Falls sie das also nicht mit einer Tasse machen, sondern mit sich selbst, bewerben sie sich für einen Darwin Award. Sie sind dann tot, dafür gibt es am Zielort einen Klon von ihnen. Ganz nebenbei haben sie eins der zwei grundlegenden Prinzipien des 4-dimensionalen Lebens missachtet. Es gibt nichts exakt Identisches zweimal. Genauso wenig, wie die Bauteile des Schranks am Start dieselben Teile wie am Ziel sind, sind die Energien, Elektronen, Moleküle etc. am Ziel dieselben, wie am Start. Es kann also nur ein Klon dabei herauskommen und nicht sie selbst. Auf die Teilchen am Zielort kommen wir gleich noch zusprechen, denn zunächst gibt es noch eine gute Nachricht.
Sie haben mit ihrem missglückten Beamexperiment die Wirtschaft revolutioniert. Nachdem sie es geschafft haben den Aufbau einer Tasse bis ins kleinste Detail zu entschlüsseln, können sie nun unendlich viele Tassen erzeugen. Vermutlich ist die Erzeugung jedoch derartig teuer, dass eine klassische Herstellung noch für lange Zeit wesentlich rentabler sein wird. Sollten sie jedoch einmal viele Tassen auf dem Mars oder in fremden Galaxien brauchen, dürfte es sich schnell lohnen diese auf dem genannten Weg herzustellen. Gleichermaßen könnten sie mit einer entsprechenden Empfangsstation einen Planeten mit ihren Klons bevölkern. Vorausgesetzt sie schaffen es sich selbst ohne Zerlegung und den damit verbundenem Tod zu entschlüsseln oder sich zu zerlegen und wieder zusammenzubauen oder aber ihnen ist der Tod egal.
Apropos Tod. Momentan ist nur ihr eigener Tod in die Überlegungen miteinbezogen worden, dabei können Sie ohne weiteres den Tod Anderer verursachen. Nehmen wir wieder ihr erstes Experiment mit der Tasse. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass bei der Empfängerstation ebenfalls eine Person den Ausgang des Experiments beobachtet. Stellen sie dort lieber eine Kamera auf, denn diese Person könnte dabei ernsthaft zu Schaden kommen. An der Empfängerstation werden Teilchen oder zumindest Energien oder noch viel Grundlegenderes benötigt, um die Tasse nach der versendeten Anleitung zusammenzubauen. Damit sind wir wieder bei den Teilchen und noch einem Grundprinzip. Selbst Teilchen, Energien und was es da sonst noch so geben mag, können nicht aus dem Nichts entstehen. Folglich muss sich die Empfängerstation vor Ort entsprechend bedienen. Neben der Empfängerstation steht ihr Beobachter, der davon sehr viel zu bieten hat. Demnach kann es sein, dass diesem hinterher lebenswichtige Bereiche fehlen. Wenn sie Glück haben, nimmt die Empfängerstation die nächstliegende Quelle, lässt ihren Beobachter unbeschadet und zerlegt sich selbst solange bis sie defekt ist.
Es ist also unbedingt notwendig die Empfängerstation in ihrer Wahl der Quellen für den Zusammenbau der Tasse einzuschränken. Nachdem sie es geschafft haben, den Aufbau der Tasse bis ins kleinste Detail zu entschlüsseln, stellt dies natürlich keine Schwierigkeit für sie dar.
Falls sie es noch nicht bemerkt haben, haben sie auf diesem Irrweg ihr eigentliches Ziel das Beamen ebenfalls so gut wie erreicht. Sie haben es erfolgreich geschafft den Aufbau einer Tasse bis ins kleinste Detail zu entschlüsseln. Konsequenterweise können sie diese Tasse jetzt zerlegen und anstatt, dass sie die Anleitung verschicken, verschicken sie nun die kleinsten Einzelteile. Dieses Prinzip gibt es bereits seit Jahrtausenden, zum Beispiel bei Zelten, Schränken etc.. Als Ganzes sind sie zum Transport relativ ungeeignet, in die Einzelteile zerlegt ist es bereits viel einfacher. Da sie den Aufbau der Tasse bis ins Detail kennen, sind in diesem Fall die „Einzelteile“ nicht oder nicht viel aufwändiger zu verschicken als die Anleitung zuvor. Natürlich dürfen sie nicht vergessen die Anleitung ebenfalls zu verschicken und vor Ort einen Empfänger zu haben, der damit etwas anfangen kann. Ansonsten wird ihre Tasse nie wieder zusammengesetzt und zerstreut sich in aller Herren Winde.
Aus Sicherheitsgründen sollten sie auch hier zunächst wieder mit etwas „Unsterblichen“ beginnen. Starten sie also wieder, wie gehabt, mit der unbelebten Tasse oder Untertasse. Steigern sie sich dann langsam über eine Topfpflanze und einen Hund Namens Laika. Den Namen für die Topfpflanze können sie noch frei wählen. Denken sie daran die passende Atmosphäre, Temperatur, Druck etc. ebenfalls mitzubeamen oder aus den bestehenden Teilchen vor Ort zu erzeugen. Ist dies erfolgreich, können sie sich an sich selbst heranwagen. Seien sie jedoch nicht enttäuscht, wenn sie sich dabei verändern. Dies ist nämlich das zweite Gesetz des 4-dimensionalen Lebens. Nichts bleibt unverändert. Alles ändert sich. Wenn sie eine Weltreise machen, werden sie auch verändert aussteigen. Wenn sie nur sitzen verändern sich. Wenn sie einen Unfall haben und ins Koma fallen, sind sie beim Aufwachen eventuell gravierend verändert. Allerdings sind sie nach dem menschlichen Verständnis immer noch dieselbe Person. Der fälschlich erzeugte Klon könnte dagegen niemals sie selbst sein. Denn bei ihm wurde das andere Prinzip missachtet.
Seine Entstehung beruht auf der Annahme, dass es dieselben Dinge mehrfach geben kann. Doch selbst Energie ist niemals dasselbe und auch sie verändert sich und das ist das Wunder des 4-dimensionalen Lebens. Es gibt nur diese zwei Gesetze, eines für die drei Dimensionen des Raums und eines für die eine Dimension der Zeit. Es gibt nichts zweimal und alles verändert sich. Vergessen sie den Rest. Der Rest basiert darauf, ist schlichtweg falsch oder bezieht sich auf weitere Dimensionen.
Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben somit nicht nur beamen gemeistert, sondern das Wunder des Lebens begriffen. Überlegen Sie sich genau, wo sie zukünftig Empfängerstationen zum Beamen aufstellen wollen. Das eigene Schlafzimmer könnte sonst bald zum belebten Ort werden. Ein letzter Rat. Finden sie nie den Sinn des Lebens heraus. Erfreuen sie sich stattdessen am Suchen.