In Entstehung

Wie Menschen zu Engeln werden


Wie Menschen zu Engeln werden

Maria Smettan 2015

Es ist an der Zeit eine Geschichte zu erzählen, die zu fantastisch klingt um wahr zu sein. Und doch sind das einzig bewusst erfundene die beiden Namen Amelie und Alice.
Alice und Amelie sind in England, genauer gesagt in Bath. Ein Ort, der derartig schöne historische Häuser hat, dass er mehrfach als Filmkulisse gedient hat. Frauenherzen, die Jane Austen Filme lieben, können hier höher schlagen. Die Einheimischen erzählen einem, dass hier Nicholas Cage einen Wohnsitz hat. Im Vertrauen ergänzen sie er sähe mittlerweile doch schon relativ alt aus und angeblich sei er pleite, aber „pssst“.
Es ist der 26. Dezember und Amelie und Alice machen sich am frühen Morgen auf den Weg zur Bushaltestelle um ihre Rundreise fortzusetzen. Noch ahnen sie nicht wie viel ihnen an diesem Tag zustoßen wird.
Da sie etwas unsicher sind, fragen sie den Busfahrer, ob das der richtige Bus nach Bristol ist. Der nette Busfahrer bejaht und sagt sie sollen sich hinsetzen. Beide meinen etwas verwirrt sie bräuchten noch eine Fahrkarte. Er winkt einfach ab und wünscht ihnen eine schöne Fahrt. Sie setzen sich und wundern sich noch eine Weile, ob der Busfahrer einfach so freundlich ist, sie mit ihrer Nachfrage und ihrem ausländischen Akzent so verloren gewirkt haben oder er ihnen, weil Weihnachten ist, die Fahrkarte geschenkt hat. Es ist trotz Amelies Erkältung ein sehr fröhlicher Start in den Tag.
Kurz vor Bristol gehen beide nochmals zu dem herzlichen Busfahrer und erkundigen sich wie man zum Fernbusbahnhof in Bristol kommt. Der Busfahrer meint es wäre nicht weit von der Haltstelle und er zeige es ihnen vor Ort. In Bristol werden Amelie und Alice ein weiteres Mal positiv von dem Busfahrer überrascht. Da hier seine Endstation ist, erklärt er nicht einfach den Weg, sondern steigt mit aus und lässt seinen Bus kurz zurück. Dabei ist der Fernbusbahnhof gar nicht so schwer zu finden, man muss lediglich den Platz überqueren und in die nächste Straße einbiegen. Am Fernbusbahnhof angekommen verabschiedet er sich von ihnen.
Nach einer Weile steigen Amelie und Alice in den Bus nach Cardiff und versichern sich zunächst bei dem neuen Busfahrer, dass ihre im Internet gekauften Spaßfahrkarten wirklich gültig sind. Die Fahrkarten heißen wirklich so und haben gerade einmal 50 Cent für eine 2 bis 3 Stunden Busfahrt gekostet. Der Busfahrer lacht und gratuliert ihnen dazu zwei der wenigen nahezu geschenkten Fahrkarten erwischt zu haben.
In Cardiff gehen Alice und Amelie schließlich auf Entdeckungsreise. Sie beginnen zu erahnen, dass Wales anders als England ist. Mystischer, fantastischer. Auf der Flagge von Wales prangt ein riesiger Drache und vereinzelte Menschen sprechen auf der Straße nicht Englisch sondern Walisisch. Eine Sprache die für beide unverständlich und schon gar nicht lesbar ist. Die zweisprachigen Schilder sehen fast aus als wäre Walisisch eine Geheimsprache mit einem verschlüsselten Code. Wie sonst lassen sich so viele Konsonanten innerhalb eines Wortes erklären. Am späten Nachmittag begeben sich Amelie und Alice zum Bahnhof um tiefer in dieses mystische Land einzudringen. Wie überall sind auch hier die Schilder zweisprachig. Auf dem Englischen Schild stehen die Gleise 1-4 ausgeschildert und dann geht es weiter mit Gleis 6. Gleis 5 fehlt. Darunter steht wieder etwas in dieser eigenartigen Sprache mit den vielen Konsonanten. Amelie entdeckt gegenüber des Bahnhofs eine Kneipe Namens „Kings Cross“. Beide denken unweigerlich an Harry Potter und das Gleis 9 ¾ am Bahnhof „Kings Cross“. Alice witzelt, dass die walisische Übersetzung auf dem Schild in Wahrheit erklärt, wie die Eingeweihten auf Gleis 5 und in das wahre Land der Drachen kommen. Amelie ist sich sicher, Joanne K. Rowling muss an diesem Bahnhof die Idee für das Gleis 9 ¾ gehabt haben.
Im Zug ruhen sie sich ein bischen von dem vielen zu Fuß durch Cardiff laufen aus. Je länger sie unterwegs sind, desto mehr Menschen sprechen diese sonderbare walisische Sprache. Die beiden haben vor, das gesamte Land der Länge nach zu durchqueren und dann ein kleines Stück zurück in ein kleines Örtchen mit einem unaussprechlichen Namen zu fahren. Nach ein paar Stunden müssen sie umsteigen und setzen sich in ein kleines Wartehäuschen des Bahnhofs. Nach einigen Minuten gesellen sich zwei bekannte Gesichter zu ihnen. Es sind die indischen Schwestern, die sie bereits in Bath kennen gelernt hatten und die auch umherreisen. Nachdem alle lachend festgestellt haben, wie klein die Welt doch ist, beginnen die Schwestern von ihrem Malheure zu berichten. Sie haben leider erst jetzt festgestellt, dass sie die Nacht hier verbringen müssen. Als sie die Fahrkarte gekauft hatten, kam zwar eine Warnung, dass die Fahrt Übernacht geht, allerdings dachten sie der Zug würde die Nacht durchfahren. Welch ein Irrtum. Es ist 10 Uhr abends und die Schwestern müssen notgedrungen die Nacht in dem kleinen Wartehäuschen bleiben. Alice und Amelie erzählen, sie hätten ebenfalls noch einen Aufenthalt von 1 Uhr nachts bis 6 Uhr früh am Bahnhof vor sich. Sie haben jedoch extra davor nachgesehen, ob der Bahnhof denn nachts geöffnet wäre. Die indischen Schwestern versuchen das Beste aus ihrer Situation zu machen. Wenigstens ist das Häuschen geschlossen und windgeschützt, auch wenn es nicht beheizt ist. Etwas später verabschieden sich Amelie und Alice und wünschen ihnen trotzdem eine gute Nacht. Im nächsten Zug atmen beide erleichtert durch und sind froh die Nacht in einem warmen Bahnhof verbringen zu können.
An einem Halt unterwegs steigt ein seltsam wirkender Mann ein und Amelie ist genervt, weil Alice die Angewohnheit hat, solche Menschen magisch anzuziehen. Amelie setzt sich extra um und legt die Jacke neben sich, damit sich der Mann nicht zu ihnen setzt. Doch wie sollte es auch anders sein, der Mann setzt sich zielsicher zu ihnen und fängt ein etwas sonderbares Gespräch an. Es gibt Gespräche, deren Inhalt man sich gar nicht so genau merkt und der eigentlich harmlos ist, und doch bleiben sie einem als komisch im Gedächtnis haften. Genau so ein Gespräch ist das. Eigentlich ist es nur Smalltalk über woher Amelie und Alice gerade kommen, wie es ihnen gefallen hat und wohin sie noch wollen. Bevor er aussteigt schreibt er noch in einer krakeligen Schrift seine Telefonnummer auf einen Zettel und reicht ihn Alice. Sie könne ihn jederzeit anrufen, falls etwas ist und er würde sie beide dann abholen. Nachdem der Mann ausgestiegen ist, wirft Alice den Zettel in den Müll.
Um 1 Uhr nachts kommen Amelie und Alice in Llandudno an und verlassen den warmen beleuchteten Zug. Am Bahnhof ist lediglich eine Art Notbeleuchtung an, es ist relativ dunkel und vor allem sehr windig und kalt. Die beiden ahnen ziemlich schnell, dass hier wohl nichts mehr geöffnet hat. Sie fangen an nach einem Aufenthaltsraum zu suchen, doch auch so etwas gibt es hier nicht. Die zuvor noch bemitleidete Situation der beiden indischen Schwestern ist auf einmal ein Wunschtraum. Schließlich beschließen Alice und Amelie sich in die Toiletten zu setzen um wenigstens dem schneidenden Wind zu entkommen. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass diese abgeschlossen sind. Auch die Herrentoiletten sind verschlossen.
Alice und Amelie suchen sich eine möglichst windgeschützte Stelle und mummeln sich mit allem, das sie dabei haben, ein. Als Sitzfläche nützen sie Handtücher und sie setzen sich Rücken an Rücken um zumindest aus einer Richtung von dem die Richtung wechselnden pfeifenden Wind geschützt zu sein. Amelies Erkältung wird immer schlimmer, sie ist erschöpft. Alice gibt Amelie ihren Schal. Es ist kaum zu glauben, dass das immer noch der Tag ist, der mit dem herzlichen Busfahrer begonnen hat. Mittlerweile ist es 2 Uhr früh und beide kühlen immer mehr aus. Nachdem sie im Internet gelesen haben, der Bahnhof habe 24 Stunden geöffnet, machen sie sich nochmals auf die Suche nach einem Hinweisschild oder Ähnlichem.
Sie finden an einer Wand ein Plakat mit einer Servicehotline für Notfälle. Alice wählt die Nummer und wartet bis jemand abhebt. Offenbar hat sie die Person geweckt und dementsprechend übellaunig ist der Mann am anderen Ende der Leitung. Alice beschreibt ihre Situation und erklärt sie hätten extra nachgesehen und im Internet gelesen, der Bahnhof habe 24 Stunden geöffnet. Unwirsch erwidert der Mann am Servicetelefon, das würde nur für Llandudno Bahnhof gelten und sie wären in Llandudno Junction, außerdem sei Sonntag. Alice fragt wie man denn zu Llandudno Bahnhof komme, der Mann antwortet mürrisch, dass das viel zu weit weg sei. Nachdem Alice aufgelegt hat erklärt sie Amelie, es gäbe offenbar zwei Bahnhöfe in Llandudno, die sehr weit auseinander liegen. Die 24 Stunden Öffnungszeit gelten wohl für den anderen Bahnhof. Die beiden haben keine Möglichkeit das nachzuprüfen und müssen sich auf die Aussage schlichtweg verlassen. Nach dem erfolglosen Anruf machen sie sich wieder auf die Suche nach einem geeigneteren Unterschlupf. Als sie auf den Bahnhofsvorplatz treten, sehen sie zum ersten Mal einen erleuchteten Raum des Bahnhofsgebäudes. Hoffnungsvoll gehen sie hin und erkennen, dass es sich um den Aufenthaltsraum eines Taxifahrers handelt. Sie klopfen an der Tür und nach kurzem Zögern kommt der Taxifahrer und öffnet sie. Alice erzählt zum wiederholten Male, wie sie in diese ungewollte Situation geraten sind und bittet den Taxifahrer sie beide in seinen Warteraum zu lassen. Der Taxifahrer verneint, woraufhin Amelie ihn anfleht. Doch der Taxifahrer schließt die Tür mit Nachdruck und sperrt ab. In ihrer Verzweiflung kommen Alice und Amelie gar nicht erst auf die Idee, er könne vor ihnen beiden Angst haben. Sie sind ein bischen größer als der Taxifahrer, zu zweit, dick eingemummelt und sprechen noch dazu mit einem fremden Akzent.
Resigniert gehen sie wieder weg, setzen sich auf eine Bank und unterhalten sich über den seltsamen Mann aus dem Zug. Ob der das wohl geahnt hat? Irgendwie sind sie froh, dass sie den Zettel mit der Telefonnummer nicht mehr haben. So müssen sie nicht überlegen, ob sie ihn trotz des schlechten Bauchgefühls anrufen sollten. Vielleicht hatten sie das Bauchgefühl ja nur, weil der Mann seltsam war, fremd gewirkt hat. Fremd, wie sie selbst auf den Taxifahrer. Andererseits gibt es überall gute und schlechte Menschen und das hat nichts mit fremd oder nicht fremd zu tun. Mittlerweile ist es 3 Uhr morgens, ihr Versuch etwas zu schlafen ist gescheitert. Amelie glaubt Fieber zu haben und ist zusehends erschöpfter. Alice ruft nochmals die Servicehotline an und versucht über den stinkigen Mann am Telefon wenigstens an den Schlüssel für die Toiletten zu kommen. Dort wäre es nicht so windig. Die 6 Grad Plus würden sich nicht mehr so eisig kalt anfühlen. Allerdings ist auch dieses Telefonat erfolglos. Daraufhin bricht Amelie, der es körperlich immer schlechter geht, emotional zusammen. Sie beginnt zu weinen, kriegt einen schlimmen Schub von Heimweh und schluchzt sie müsse sterben. Alice überlegt, ob sie einen Krankenwagen oder die Polizei rufen soll. Allerdings ist Amelie dagegen, sie haben doch im Voraus gebuchte Zugtickets für 6 Uhr früh und sie wolle nicht ins Krankenhaus wegen einer Erkältung. Im Grunde muss Amelie nur irgendwie ins Warme. Alice denkt an die Herbergssuche von Maria und Josef. Die haben sehr viele Absagen erhalten. Ihnen haben bisher nur der Mann am Servicetelefon und der Taxifahrer die Tür vor die Nase geknallt. Alice beschließt loszugehen und an Häusern zu klingeln. Gegenüber vom Bahnhof ist ein Hotel, Amelie sagt sie solle es zuerst dort versuchen. Amelie denkt an Frodo und Sam. Sie fühlt sich wie Frodo, der einfach nicht mehr weiter kann und Alice ist Sam. Sam, der die Hoffnung nicht aufgibt und weiter nach einem Weg sucht.
Alice ist mittlerweile an dem Hotel angekommen und klingelt mehrfach. Doch es geht kein Licht an, niemand öffnet die Tür. Ein Haus weiter sieht Alice im Obergeschoss Licht brennen. Alice geht durch den kleinen Vorgarten und vor der Tür erfasst sie die blanke Panik. Das Glas der Haustür ist herausgenommen und mit Sperrholz ersetzt. Alle angrenzenden Fenster haben ebenfalls statt Glas sauber eingesetztes Sperrholz. Alice fragt sich, welcher Psychopath so etwas macht, was derjenige zu verbergen hat, was passiert wenn ihr da etwas zustößt. Amelie wisse schließlich nicht wo sie ist. Als Alice Schritte auf der Straße hört dreht sie sich vom Haus weg, läuft auf die Straße und fragt den Mann dort panisch, ob er ihr helfen könne. Es ist halb 4 Uhr Morgens. Der Mann beruhigt sie und sagt er wäre auf den Weg zur Arbeit und was denn los sei. Alice schildert ihr Problem. Der Mann hat es zwar eilig, beschreibt aber den Weg zu einem nahe gelegenen Supermarkt, der 24 Stunden geöffnet hat. Er meint sie könnten sich darin vielleicht etwas aufwärmen. Alice, deren Herz immer noch etwas rast, bedankt sich bei dem Mann, der eilig seinen Weg fortsetzt.
Erst am Tag darauf wird Alice bewusst, dass es sich vermutlich um ein Puff oder etwas Ähnliches gehandelt hat und sie nicht so viele Krimiserien mit Profilern gucken sollte. Sperrholz in den Fenstern ist tagsüber für unerkannte Psychopathen doch etwas auffällig.
Der Puls von Alice hat sich gerade wieder etwas beruhigt als ihr der nächste Schock bevorsteht. Sie kann Amelie nicht mehr finden. Erst nach einer sich endlos anfühlenden Zeit bemerkt sie Amelie eingemummelt an einem anderen Platz. Amelie hatte sich umgesetzt, da es dort etwas geschützter ist. Alice berichtet Amelie von dem Supermarkt und gemeinsam machen sie sich auf den Weg dorthin. Schon von weitem können sie ein riesiges Schild sehen auf dem 24 Stunden geöffnet steht. Mit neuem Mut gehen sie auf den Supermarkt zu. Überall brennt Licht allerdings müssen sie feststellen, dass die Türen geschlossen sind. Beide klopfen an die Tür, doch keiner bemerkt sie. Amelie und Alice sehen die Mitarbeiter beim Regale einräumen und begeben sich zu einer Seitentür, die näher an den Arbeitern gelegen ist. Als sie dieses Mal klopfen werden sie bemerkt. Ein Angestellter kommt und öffnet die Tür. Alice und Amelie, die auch wieder Hoffnung geschöpft hat, erzählen nochmals ihre Geschichte. Der Mann sagt er müsse seinen Vorgesetzten fragen und komme gleich zurück. Als er zurück ist, erklärt er mit Bedauern, er könne sie leider aus Versicherungsgründen nicht Einlassen. Auf Rückfrage erläutert er zudem, dass die 24 Stunden Öffnungszeiten für Sonntag nicht gelten. Alice bedankt sich trotzdem und er verschließt die Tür wieder. Die neu entfachte Hoffnung ist komplett zerschlagen. Amelie bricht in Tränen aus und übergibt sich. Alice nimmt sie in den Arm und versucht sie zu trösten.

Genau in diesem Moment ruft der Mann von der Tür aus, sie sollen reinkommen. Ungläubig gehen Alice und Amelie zur Tür, die ihnen nun weit aufgehalten wird. Amelie sieht dem Mann in die Augen und sagt aus tiefstem Herzen: „Sie sind ein Engel!“.
Amelie und Alice dürfen sich im Bereich des Cafés setzen und sollen sich aus versicherungstechnischen Gründen nicht von der Stelle bewegen. Nach ca. 10 Minuten kommt einer der Angestellten mit Tee und Toastbrot mit Butter und etwas Salz darauf. Amelie nimmt dankbar den Tee zum aufwärmen und reicht den Toast an Alice weiter. Der Mann erklärt ihnen sie dürfen bleiben bis sie wieder zum Zug müssen. Er fragt sie, wo sie hinfahren und sie zeigen ihm die Zugtickets, da sie den Ortsnamen „Betws-y-Coed“ immer noch nicht aussprechen können. Daraufhin nimmt er einen Zettel zur Hand und schreibt für den Notfall die Telefonnummer des dortigen Arztes auf. Er sagt er komme aus der Gegend und falls der Zug nicht fährt, könne er sie mittags nach seiner Schicht mitnehmen. Außerdem weist er sie darauf hin am Besten vorher bei dem Arzt anzurufen und mit einem zwinkern fügt er hinzu man wird per Band gefragt, ob man die Öffnungszeiten auf Englisch oder Walisisch hören möchte. Er empfiehlt ihnen lachend die Englische Version zu nehmen.
Aufgewärmt und mit deutlich gehobener Stimmung fahren Amelie und Alice um kurz vor 6 Uhr weiter zu dem Ort mit dem unaussprechlichen Namen. Es ist immer noch dunkel. Um kurz vor halb 7 erreichen sie in der nebligen Dämmerung den unaussprechlichen Ort und gehen auf ihr Hotel „The Royal Oak“ zu. Davor steht ein einzelner Baum und aus diesem erheben sich gleichzeitig mit einem wahnsinnigen Lärm zahllose Krähen. Wenn Amelie noch die Kraft dazu hätte, würde sie schreien. Alfred Hitchcock muss so etwas erlebt haben bevor er „Die Vögel“ geschrieben hat. Für Alice bleibt in gewisser Weise die Zeit stehen, sie denkt ebenfalls an Hitchcock. Sie denkt daran, wie selten so ein Moment wohl ist und dass man das selbst mit einer Kamera gar nicht so festhalten kann. Dieses Gefühl, dieser Moment ist einmalig. Alice versucht sich diesen fantastischen Moment zu merken.
Der Lärm hat einen Angestellten des Hotels geweckt, der vor die Türe tritt um nach dem Rechten zu sehen. Alice und Amelie gehen zu ihm und erklären sie dürften eigentlich erst ab 14 Uhr einchecken. Er lässt sie trotzdem schon ins warme Foyer und sie warten dort bis um 7 Uhr auf der Couch. Langsam erwacht das gesamte Hotel zu Leben. Nachdem die Zimmer bereits fertig sind, dürfen Alice und Amelie schon vorzeitig einchecken und sinken dankbar ins Bett.
Dies ist eine wahre Geschichte. Die Wahrheit ist, oft ist es eine scheinbar kleine Geste, die einen Menschen in den Augen eines Anderen zu einem Engel macht. In diesem Fall ist es das Öffnen einer Tür für zwei Fremde.